Öffentliches Finanzierungsdefizit im Jahr 2025 bei 127,3 Milliarden Euro

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_117_711.html

Pressemitteilung Nr. 117 vom 7. April 2026

  • Defizit steigt auf das Niveau von 2022, alle Ebenen betroffen
  • Defizit bei Bund und Gemeinden gegenüber 2024 stark gewachsen, bei Ländern und Sozialversicherung verringert 

WIESBADEN – Im Jahr 2025 hat der Öffentliche Gesamthaushalt 6,0 % mehr ausgegeben und 5,2 % mehr eingenommen als 2024: Einnahmen von rund 2 081 Milliarden Euro standen Ausgaben von rund 2 208 Milliarden Euro gegenüber. Die Kern- und Extrahaushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung schlossen nach Abgrenzung der Finanzstatistiken mit einem Finanzierungsdefizit von 127,3 Milliarden Euro ab, teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Das Defizit war 22,9 Milliarden Euro höher als 2024 und erreichte das Niveau des Energiekrisen-Jahres 2022. Damals zeigte jedoch einzig der Bund ein außerordentlich großes Defizit, das letztlich nicht in vollem Umfang zu höheren Schulden führte, weil weniger Kredite als geplant aufgenommen wurden. 2025 standen nun alle Ebenen im Minus. Bei den Gemeinden war das Defizit so groß wie noch nie.

Finanzierungssalden nach Ebenen

Im Vergleich zu 2024 hat sich die Finanzierungslücke beim Bund um 34,5 Milliarden Euro vergrößert, bei den Gemeinden um 7,1 Milliarden Euro. Ihr Defizit verringern konnten die Länder (um 9,5 Milliarden Euro) und die Sozialversicherung (um 9,2 Milliarden Euro).

Die Einnahmen blieben beim Bund nahezu unverändert (+0,6 % auf 572,6 Milliarden Euro), während die Ausgaben um 6,1 % auf 658,0 Milliarden Euro stiegen. Das ergibt für den Bund ein Defizit von 85,4 Milliarden Euro. Hierin spiegelt sich auch die politische Entscheidung, zur Ausgabenfinanzierung des Bundes stärker auf Schuldenaufnahmen zurückzugreifen. Dies führte zu den „Bereichsausnahmen“ im Bundeshaushalt und den komplett kreditfinanzierten Extrahaushalten für Bundeswehr sowie Infrastruktur und Klimaschutz.

Die Einnahmen der Länder stiegen um 5,2 % auf 572,1 Milliarden Euro, die Ausgaben um 3,3 % auf 580,8 Milliarden Euro, das Defizit betrug 8,7 Milliarden Euro. Gut drei Viertel dieses Defizits vereinten allein die Stadtstaaten auf sich. Ein Überschuss ergab sich in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Bayern (mit dem höchsten Plus von 1,5 Milliarden Euro).

Die hohen Defizite bei den Stadtstaaten spiegeln sich in den Flächenländern auf der Ebene der Kommunen. Hier ging die Einnahmen-Ausgaben-Schere noch weiter auseinander als 2024. Ein Einnahmenzuwachs um 4,1 % auf 391,4 Milliarden Euro und ein Ausgabenzuwachs um 5,6 % auf 423,3 Milliarden Euro ergaben ein Defizit von 31,9 Milliarden Euro.

Die Gesamteinnahmen der Sozialversicherung stiegen um 8,3 % auf 936,1 Milliarden Euro, darunter die Beitragseinnahmen um 9 % auf 771,5 Milliarden Euro (unter anderem wegen der Erhöhung der Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung). Die Ausgaben stiegen um 7,2 % auf 937,5 Milliarden Euro, daraus resultiert ein Defizit von 1,3 Milliarden Euro.

Darlehen zur Stützung der Sozialversicherung, mehr militärische Beschaffungen

Dämpfend auf die Ausgaben des Bundes wirkte die 2025 eingeführte Buchungspraxis für Bundeswertpapiere. Die Zinsausgaben gingen auch deswegen gegenüber 2024 um 6,0 Milliarden Euro (+14,1 %) zurück.

Die höheren Ausgaben des Bundes sollten unter anderem die Sozialversicherung stabilisieren. So erhielt die Rentenversicherung einen um 6,5 Milliarden Euro höheren Zuschuss als 2024. Darlehen erhielten die Bundesagentur für Arbeit (1,4 Milliarden Euro), die Krankenversicherung (2,3 Milliarden Euro) und die Pflegeversicherung (0,5 Milliarden Euro). Für Investitionen in die Schienenwege stellte der Bund der Deutschen Bahn ein Darlehen über 3 Milliarden Euro zur Verfügung. Zum gleichen Zweck erhielt die Bahn 5,3 Milliarden Euro zur Erhöhung des Eigenkapitals, das waren 3,1 Milliarden mehr als 2024. Hinzu kam der Anstieg der militärischen Beschaffungen: Hierfür gab der Bund 39,0 Milliarden Euro aus (+23,4 %).

Militärische Beschaffungen werten die Finanzstatistiken im Einklang mit dem deutschen Haushaltsrecht als laufende Sachausgaben, nicht als Investitionen. Die typischen Sachinvestitionen (Ausgaben für Bauten und für den Erwerb von Sachvermögen) stiegen 2025 bei Gemeinden und Ländern nur moderat (+3,5 % beziehungsweise 2,6 %), beim Bund stiegen sie um 10,5 %. Statistisch zeigten die kreditfinanzierten Mittel aus dem erst gegen Ende 2025 errichteten „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz“ noch keine deutlichen Effekte.

Methodische Hinweise:

Die Angaben beziehen sich auf vorläufige Ergebnisse der Kern- und Extrahaushalte der vierteljährlichen Kassenstatistik. Sie weichen ab vom Finanzierungssaldo des Staates in Abgrenzung des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010), an dem sich die Einhaltung des Referenzwertes des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts (Maastricht-Defizitquote) bemisst (vergleiche Pressemitteilung Nr. 60 vom 25. Februar 2026). Die Abweichungen sind in methodischen Unterschieden begründet.

Für die kaufmännisch buchenden Extrahaushalte des Saarlands lagen keine Ergebnisse für das 4. Quartal 2025 vor. Daher wurden die Daten des 3. Quartals 2025 zur Bildung des Jahresergebnisses in das 4. Quartal übernommen.

Wegen der Einführung des Deutschlandtickets und der damit verbundenen größeren Abhängigkeit von öffentlichen Zuweisungen wurden ab dem 2. Quartal 2023 etwa 440 Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) als Extrahaushalte in den Öffentlichen Gesamthaushalt einbezogen. Das Hinzurechnen der Ausgaben und Einnahmen dieser Einheiten sorgte für Sondereffekte. Mit dem Übergang auf das Berichtsjahr 2025 sind Vorjahresvergleiche wieder uneingeschränkt möglich.

Weitere Informationen:

Weitere Ergebnisse für den Öffentlichen Gesamthaushalt im Jahr 2025 werden im Statistischen Bericht Nr. 71511 „Vierteljährliche Kassenergebnisse der Kern- und Extrahaushalte des Öffentlichen Gesamthaushalts“ voraussichtlich Ende April 2026 veröffentlicht.

https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/haushaltsbilanz-2025-defizit-steigt-auf-1273-milliarden-euro/100214906.html

127,3 Milliarden EuroTrotz gestiegener Einnahmen wächst das Defizit in den öffentlichen Kassen. Nur die Länder können ihre Finanzierungslücke teils schließen.07.04.2026 – 10:15 Uhr

Das Milliardenloch in den öffentlichen Kassen in Deutschland ist im vergangenen Jahr erneut größer geworden. In Summe ergab sich für die Kern- und Extrahaushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung ein Minus von 127,3 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat.

Damit war das Finanzierungsdefizit 22,9 Milliarden Euro größer als 2024 und erreichte nach Angaben der Wiesbadener Statistiker ziemlich genau das Niveau des Energiekrisen-Jahres 2022.

Anders als 2022, als nur der Bund im Minus war, verteilt sich das Defizit 2025 auf alle staatlichen Ebenen. Das spricht dafür, dass das Minus in dieser Höhe auch auf den Schuldenstand durchschlagen wird. 2022, im ersten Jahr des Ukraine-Krieges, war das anders, weil der deutsche Staat letztlich trotz der damaligen Notlage weniger Kredite aufnahm als geplant.

Kommunen mit Rekorddefizit

Bei den Gemeinden war das Minus 2025 mit 31,9 Milliarden Euro so groß wie nie seit der Wiedervereinigung 1990. Das Defizit des Bundes erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um gut zwei Drittel auf 85,4 Milliarden Euro – getrieben von neuen Schulden für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz.

Die Länder konnten dagegen ihr Finanzierungsdefizit binnen Jahresfrist auf 8,7 Milliarden Euro mehr als halbieren. Gut drei Viertel dieses Defizits kommt aus den Stadtstaaten, während Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen einen Überschuss ausweisen. Bei der Sozialversicherung wurde die Lücke deutlich kleiner: von 10,5 Milliarden Euro 2024 auf 1,3 Milliarden Euro 2025.

Einnahmen auch gestiegen

Insgesamt gab der öffentliche Gesamthaushalt im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesamtes 6,0 Prozent mehr aus als 2024, die Einnahmen erhöhten sich zugleich um 5,2 Prozent.

Einnahmen von rund 2.081 Milliarden Euro standen somit Ausgaben von rund 2.208 Milliarden Euro gegenüber.