
Obwohl es keine Beweise zu den Vorwürfen von Collien Fernandes gibt, ist es einem kleinen linksgrünen Netzwerk nach jahrelanger Vorarbeit fast gelungen, seine radikale Agenda durchzusetzen. Nun geht es plötzlich um Klarnamenpflicht und den Ausbau des Überwachungsstaats. Und die CDU macht mit.
Jetzt soll sich Friedrich Merz (CDU) zu den bislang unbelegten Vorwürfen äußern, die von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann erhoben werden. So will es jedenfalls die frühere Grünen-Chefin Ricarda Lang. „Ich würde mir wünschen, dass Friedrich Merz sich zu dem Fall Collien Fernandes äußert, denn er ist Bundeskanzler dieses Landes.“
Der Bundeskanzler, der Regierungschef eines Landes mit mehr als 80 Millionen Einwohnern, soll sich zu einer Strafanzeige äußern, die eine bestenfalls Halbprominente in Spanien eingereicht hat. Bisher gibt es nicht einen schlagkräftigen Beweis. Eine bereits früher in Deutschland gestellte Strafanzeige in dem Fall hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe eingestellt. Sie wollte von Fernandes mehr Beweise – und bekam nichts. Daraufhin stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren vorläufig ein, „weil es keine Ermittlungsansätze gegeben habe“, berichtet die ARD-Hauptstadtkorrespondentin Iris Sayram.
Die Lüge geht vorweg
Es ging auch nie darum, dass Ulmen KI-Fakes von ihr verbreitet hat. Gegenüber Nius sagte Fernandes, dass es um zwei unterschiedliche Dinge gehen soll. „Zum einen gibt es Menschen, die Deepnudes von mir online gestellt haben, zum anderen gibt es die pornografischen Videos, die der Täter unter meiner Identität verschickt hat.“ Um welche Deepnudes es geht ist unbekannt, was für Videos der „Täter“ verschickt haben soll ebenso.
Nun heißt es, schuld an dem eingestellten Verfahren seien „Rechtslücken“, die im voluminösen deutschen Strafrecht angeblich bestünden. Das ist natürlich ebenfalls Unsinn. Es ist glatt gelogen. Für das, was Fernandes ihrem Mann vorwirft, er habe erotische Bilder und Videos unter falschem Namen an fremde Männer verschickt, gibt es – wie Experten bereits ausführlich und für jeden lesbar dargelegt haben – genügend Paragraphen.
So schreibt der Strafrechtsexperte Udo Vetter: „Der wichtigste Hebel ist § 238 Strafgesetzbuch, der sogenannte Stalkingparagraph. Die Regelung wurde mehrfach nachgeschärft und ist heute das Schweizer Taschenmesser gegen digitalen Identitätsmissbrauch. § 238 Abs. 1 Nr. 6 StGB erfasst explizit das Verbreiten von Abbildungen des Opfers. Und § 238 Abs. 1 Nr. 7 StGB – das ist die eigentliche juristische Trumpfkarte – stellt unter Strafe, wer Inhalte unter Vortäuschung der Urheberschaft des Opfers verbreitet, um diese Person verächtlich zu machen oder herabzuwürdigen.“
Es gibt genügend Paragraphen, die solche Vorwürfe abdecken
Vetter verweist zudem auf weitere Möglichkeiten. Etwa den sogenannten Paparazzi-Paragraphen 201a, der die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen“ umfangreich unter Strafe stellt. Stefanie Hubigs Vorgänger als Justizminister, der FDP-Politiker Marco Buschmann, befasste sich übrigens bereits in der vergangenen Legislatur mit der Frage, ob das Strafrecht KI-tauglich ist. Und er kam zu dem Schluss: Ja, ist es.
Im Fachmagazin Legal Tribune Online heißt es dazu: „So würden die Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Inhalte mittels KI-Bildern die §§ 184b, 184c StGB abdecken, auch eine Strafbarkeit nach § 184b, 184c StGB (Verbreitung pornografischer Inhalte) oder nach § 187 StGB (Verleumdung) käme in Betracht. Weiterhin erfasse § 33 Kunsturhebergesetz (KunstUrhG) bereits die Strafbarkeit für die Verbreitung von Bildnissen ohne Einwilligung. Und auch das Urheberrecht finde in §§ 106, 108 eine Regelung für urheberrechtlich geschützte Inhalte als Ausgangsmaterial. Ebenso könne die Strafvorschrift des § 42 Abs. 2 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) erfüllt sein.“
Eine gut geölte Propaganda-Maschine
Doch das alles interessiert die gut geölte, längst in Gang gesetzte linke Kampagnenmaschinerie nicht. Natürlich nicht. Denn es ging niemals um Fakten. Ginge es wirklich um Fakten, hätte es einen Spiegel-Artikel, der den Fall – wie so oft bei konzertierten Aktionen – als erstes offensiv vorträgt, gar nicht geben dürfen. Christian Ulmen hat deswegen eine Medienrechtskanzlei beauftragt, gegen den Spiegel vorzugehen.
Vom Artikel des Hamburger Magazins am Donnerstag zur Ankündigung von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) zu – offensichtlich gar nicht nötigen – Gesetzesverschärfungen dauerte es keine drei Tage. Eine Demonstration gab es am selben Tag auch noch. Hauptrednerin war Luisa Neubauer, Mitglied der Grünen und Frontfrau der weitgehend in der Versenkung verschwundenen „Fridays for Future“. Sie sucht seit längerem eine neue Berufung und hat sich nun offensichtlich dafür entschieden, auf der Welle der Sympathie, die Fernandes in den linksliberalen und linken Medien – bis hin zur Bild-Zeitung – entgegenschlug, zu surfen.
Ebenfalls vor Ort: Grünen-Chefin Franziska Brantner, Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang und Ex-SPD-Chefin Saskia Esken. Man kennt und schätzt sich. Doch sie sind nur einige prominente Köpfe hinter der Kampagne. Selbstverständlich mischt auch die extrem linke Plattform Campact bereits mit und fordert – im bekannten Antifa-Duktus –, „die Straflosigkeit männlicher Gewalt“ müsse „ein Ende haben“. Selbstverständlich steht von Männern verübte Gewalt unter Strafe. Worum es wirklich geht, zeigt sich in den Forderungen, die jetzt dringend (solange die angeschmissene Medienmaschine es noch hergibt) umgesetzt werden müssen.
Sofort gibt es Forderungskataloge und Petitionen
Es lohnt sich, die Forderungen einzeln zu betrachten: So wird die „Strafbarkeit von Herstellung und Verbreitung nicht-einvernehmlicher sexualisierter Deepfakes“ gefordert. Nur ist es das ja bereits. Doch es ist die plakativste, weil am einfachsten zu verstehende Forderung, und welcher Normalbürger kennt sich schon wirklich mit den Feinheiten des deutschen Strafrechts aus? Und da Justizministerin Stefanie Hubig bereits ins gleiche Horn bläst, bleibt schon sicher irgendwas hängen.
Zudem wird der „Ausbau von Beratungsstellen sowie Prävention und Aufklärung, insbesondere an Schulen“, gefordert. Was nichts anderes heißt, als dass die Bundesregierung Geld in die Hand nehmen soll, um die einschlägig bekannten linken und linksextremen „Nichtregierungsorganisationen“ mit Geld zu füttern. Denn von Spenden allein kann so gut wie keine von ihnen leben. Sie hängen am Tropf des Staates.
Ebenfalls auf der Wunschliste ist ein „digitales Gewaltschutzgesetz mit wirksamen Betroffenenrechten“, bei dem es um „schnelle Löschung, Auskunft gegenüber Plattformen, Identifizierung der Täter sowie Schadensersatz und Accountsperrung“ geht. Das klingt zwar nach Rechtsstaat, aber soll und wird am Ende nur zu mehr Zensur führen.
Eine linkradikal-feministische Agenda
Die linkradikal-feministische Agenda wird deutlich, wenn es um die geforderte „klare gesetzliche Festschreibung“ geht, „dass jede sexuelle Handlung ohne ausdrückliche Einwilligung strafbar ist“. Ein solches Gesetz würde der Willkür Tür und Tor öffnen. Da darf natürlich auch eine „Nationale Strategie zur Bekämpfung männlicher Gewalt“ nicht fehlen, bei der es um die Schaffung „zentraler Koordinierungsstellen, klarer Ziele und dauerhafter Finanzierung“ geht. Die zentralen Stichworte sind „dauerhaft“ und „Finanzierung“. Wieder geht es offensichtlich um die Schaffung von sicherlich nicht schlecht bezahlten Stellen für Anhänger der linken Szene.
Dass dann die „Einführung spezialisierter Gerichte und Staatsanwaltschaften (Modell Spanien), bundesweit verpflichtende Spezialisierung und Schulung von Polizeibehörden, Ausbau von Schutzmaßnahmen für Betroffene sowie bundesweit einheitliche Datenerhebung, Monitoring und jährliche Berichterstattung zu männlicher und digitaler Gewalt“ als nächster Schritt folgen sollen, ist nur logisch.
Ziel ist ideologische Übernahme der Strafverfolgungsbehörden
Denn ohne indoktrinierte – und um nichts anderes geht es – und politisch voreingenommene Strafverfolgungsbehörden geht es nicht. Schon jetzt machen Staatsanwälte gezielt und hochmotiviert Jagd auf allzu lautstarke Kritiker. Paragraphen wie der verschärfte Paragraph 188 des Strafgesetzbuches führen immer wieder zu Hausdurchsuchungen. Das beste Beispiel war die Strafverfolgung eines Rentners, der ein Meme verbreitete, in dem Robert Habeck als „Schwachkopf“ bezeichnet wurde. Und es ist nur die Spitze des Eisbergs.
Erinnert sich noch jemand an den bayerischen Unternehmer, der auf seinem Grundstück Grünen-kritische Plakate aufhängte? Auf einem stand neben den Gesichtern von Cem Özdemir, Ricarda Lang und Robert Habeck: „Wir machen alles platt“. Auf einem anderen „Bündnis 90 Grüner Mist“. Und noch mal Lang im grünen Kleid auf einer Dampfwalze. Ein Staatsanwalt sah in diesen ganz offensichtlich von der Meinungsfreiheit gedeckten Äußerungen tatsächlich den Tatbestand der Beleidigung verwirklicht. Es folgte ein Strafbefehl über 6.000 Euro und auch eine Hausdurchsuchung war zuvor veranlasst worden. Ein Gericht sprach den Mann schließlich frei.
Ein Name taucht immer wieder auf
Aber viele haben nicht die Kraft und das Geld, gegen solche Strafbefehle vorzugehen, auch wenn sie vor Gericht gute Gewinnchancen hätten. Sie werden es sich zweimal überlegen, noch einmal kritische Worte gegenüber Politikern zu finden. Ziel erreicht. Noch mehr in Vergessenheit ist allerdings geraten, wie es dazu kam. Nachdem Polizisten die Plakate entdeckt hatten, stellten sie fest, dass die vier auf den Plakaten abgebildeten Grünen-Politiker „beleidigt und diffamiert werden“. Es brauchte gar keine Strafanzeige der Politiker, die Polizisten nahmen das gleich selbst in die Hand. Eine der Initiatorinnen des Campact-Forderungskatalogs ist – da taucht der Name wieder auf – Ricarda Lang.
„Ich hab’s ja schon vor einigen Monaten erfahren “, sagte die HateAid-Chefin
Und auch eine andere Organisation hat ihre Finger im Spiel. Die berühmt-berüchtigte „HateAid“-Truppe. „Lasst uns die Wut über das, was Collien Fernandes erlebt hat, nutzen. Dafür, dass Frauen in Zukunft besser geschützt sind. Wir fordern die Bundesregierung auf: Die Gesetzeslücken müssen endlich geschlossen werden“, schrieb sie fast unmittelbar, nachdem der Spiegel-Artikel erschienen war, auf Instagram. Wieder die Forderung nach Gesetzesverschärfungen.
Deren Geschäftsführerin Josephine Ballon, die von den Vereinigten Staaten wegen ihrer Forderungen nach Zensur mit einem faktischen Einreiseverbot belegt wurde, taucht ebenfalls auf der Unterstützerliste auf. Zweite Geschäftsführerin von HateAid ist Anna-Lena von Hodenberg. Sie sagte noch am 20. März – dem Tag, nachdem Fernandes‘ Vorwürfe publik wurden – gegenüber dem RTL-Nachtjournal: „Ich hab’s ja schon vor einigen Monaten erfahren
Genügend Zeit also, wie der X-Account „_horizont_“ treffend bemerkt, eine Kampagne vorzubereiten. Ricarda Lang ist seit längerer Zeit als politische Partnerin und Fürsprecherin von HateAid aktiv.
Man kennt und schätzt sich seit Jahren
Wie lang die Bekanntschaft zwischen Fernandes und HateAid bereits zurückliegt, zeigt die ZDF-Dokumentation „Die Spur: Deepfake-Pornos“ aus dem Jahr 2024, in der Fernandes bereits über entsprechende Videos von sich berichtet. Der Name Ulmen taucht nicht auf, dafür kommt HateAid-Geschäftsführerin Ballon dort mehrfach als „Expertin“ vor. Doch schon im Jahr 2023 findet sich eine Pressemitteilung von HateAid – schon damals ging es um den angeblich nötigen Kampf gegen Gesetzeslücken beim Thema Deepfake-Pornos – mit einem Statement von Collien Fernandes.
Sie sagt als „betroffene Moderatorin“ und damals noch unter dem Namen Ulmen-Fernandes: „Wenn die Bundesregierung uns nicht endlich vor Porno-Manipulationen schützt, wachsen unsere Töchter mit dieser neuen Normalität auf. Die Deepfake-Fotos und Videos wirken mittlerweile täuschend echt. Zahlreiche Frauen wurden damit schon in Misskredit gebracht. Ich werde das so nicht hinnehmen und mich weiter mit HateAid für unsere Rechte einsetzen.“ Man kennt und schätzt sich halt seit Jahren.
Immer wieder taucht HateAid auf
Und was für ein Zufall: Pünktlich zu den Vorwürfen veröffentlicht das ZDF ein „Drama mit begleitender Dokumentation“, das sich „Eine bessere Welt“ nennt.
Das ZDF schreibt dazu: „Im Zentrum stehen persönliche Geschichten: die des ehemaligen Fußballprofis Kevin Plath, der nach einem TV-Auftritt Ziel rassistischer Hassattacken wurde, die der Drag Queen und Aktivistin Vicky Voyage, für die das Internet zugleich Bühne und Schlachtfeld ist, und die der Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert, die für ihre fachliche Arbeit zu Klima- und Energiefragen mit massiven Drohungen konfrontiert wird. Ihre Erfahrungen zeigen: Digitale Gewalt trifft längst nicht nur Randgruppen – sie kann jeden treffen, der öffentlich sichtbar ist.“
Und wieder taucht HateAid auf. Denn: „Parallel wirft der Film einen Blick hinter die Kulissen von Beratungs- und Meldestellen wie HateAid, die Betroffene juristisch und psychologisch unterstützen.“ Zentrale Frage ist, ob es „strukturelle Defizite zwischen Gesetz und Umsetzung“ gebe. Braucht es also eine Gesetzesverschärfung, wie Lang, Fernandes und HateAid fordern? „Besser könnte das Timing nicht sein“, schreibt die Süddeutsche Zeitung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Ein Netzwerk, das sich lange kennt
ZDF, Collien Fernandes, Ricarda Lang und HateAid. Das Netzwerk kennt sich seit längerem und will nun – erneut – mit der Macht der von ihnen selbst entfachten und wohl auch orchestrierten Debatte, die längst nichts mehr mit dem strafrechtlich noch gar nicht relevant gewordenen Fall Ulmen zu tun hat, massive Gesetzesverschärfungen durchsetzen.
Die Gelegenheit ist günstig. Selbst die großen Boulevardmedien, und auch die Union, sind schon im Boot. Die Bild titelte „Collien, die Galionsfigur“ und forderte: „Macht sie zur Galionsfigur – nicht von einem Traumschiff, sondern von der MS Deutschland!“ Und das trotz Unschuldsvermutung für Ulmen und der Tatsache, dass obwohl eine deutsche Staatsanwaltschaft den Fall derzeit gar nicht mehr verfolgt.
CSU springt auf den linksradikalen Zug auf
Die CSU verbreitete am Dienstag eine Pressemitteilung unter dem Titel „Kampfansage gegen Deepfake-Terror: CSU-Fraktion fordert Digital-Schutzschild“. Ausdrücklich wird auf den „Fall um Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes“ Bezug genommen. Fraktionschef Klaus Holetschek sagt: „Der Fall Fernandes zeigt diese abgründige Dimension digitaler Gewalt. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Leben von Menschen per Mausklick zerstört wird. Wir brauchen einen wirksamen Schutzschild für unsere digitale Welt: zeitgemäße Regeln, null Toleranz und härtere Strafen für Täter!“
Und natürlich darf auch eine Forderung nach Gesetzesverschärfungen auch hier nicht fehlen: „Hier ist der Bundesgesetzgeber gefordert, mit der Einführung eines neuen Straftatbestands zum Schutz vor Identitätsmissbrauch und zum Schutz vor sexualisierten KI-Bildern und Deepfakes einen wichtigen Schritt zu machen“, verlangt die Vorsitzende des CSU-Arbeitskreises Verfassung, Recht, Parlamentsfragen und Integration, Petra Guttenberger.
Ein verheerender Gesetzentwurf
Bundesjustizministerin Hubig jedenfalls war bereits seit längerem fleißig. Ein entsprechender Gesetzesentwurf sei „fast fertig“, ließ sie kurz nach der Spiegel-Geschichte verlautbaren. Und wem liegt der Entwurf praktischerweise kurz danach bereits vor? Dem Hamburger Magazin natürlich. Mit wem sie sich bereits im Oktober dazu getroffen hat? Mit HateAid natürlich, wie Nius berichtet.
Zentraler Punkt ist die Erweiterung des laut Experten ja eigentlich bereits ausreichenden Paragraphen 201 des Strafgesetzbuches. Das Blatt schreibt: „Ein neuer Paragraph 201b würde die ‘Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch täuschende Inhalte’ unter Strafe stellen. Dies greift bei einem Deepfake, ‘der geeignet ist, dem Ansehen dieser Person erheblich zu schaden’“.
KI-Satire könnte zu Polizeieinsätzen führen
Das wäre, würde er so umgesetzt, die faktische Ausweitung des „Majestätsbeleidigungsparagraphen“ 188. So gut wie jede mit KI erstellte Satire über Politiker, von der es tausende im Netz gibt, könnte dann zu Hausdurchsuchungen und Gerichtsprozessen führen. Einem Missbrauch durch übereifrige Staatsanwälte wäre Tür und Tor geöffnet. Wer das nicht glauben mag, sei an den Fall von Deutschlandkurier-Chef David Bendels erinnert, der vor Gericht landete, weil sein Medium ein Bild der früheren Innenministerin Nancy Faeser (SPD) verbreitete, auf dem sie ein Schild mit der Aufschrift „Ich hasse die Meinungsfreiheit“ hielt.
Die Staatsanwaltschaft war ernsthaft der Meinung, dass der Durchschnittsleser nicht wüsste, dass es sich dabei um Satire handelt. Diese Staatsanwälte bekämen ein weiteres mächtiges Werkzeug in die Hand. Bendels gewann das Verfahren – allerdings erst in zweiter Instanz.
Strafrechtsexperten alarmiert
Strafrechtsexperte Udo Vetter schreibt zu den aktuellen Plänen: „Ein Gesetz, das vorgibt, vor ‘täuschenden Inhalten’ im unappetitlichen Spektrum zu schützen, in Wahrheit aber Satire, Memes und politische Meinungsäußerungen unter den Generalverdacht der Strafbarkeit stellt, schützt nicht die Bürgerinnen und Bürger. Es schützt die Mächtigen vor Spott und Kritik.“
Und auch eine andere Forderung steht im Raum. So wird gefordert, dass sich bereits derjenige strafbar machen soll, der bei sich zu Hause für den privaten Gebrauch KI-Fotomontagen herstellt. Es wäre ein Dammbruch, wie der Medienrechtsanwalt Carsten Brennecke schreibt. „Es geht vielmehr darum, die Strafbarkeit vorzuverlagern, nämlich Handlungen im Privaten zu bestrafen, die typischerweise straflose Handlungen sind.“
Brennecke weiter: „Es ist vielleicht kein Zufall, dass die Forderungen nach einer Vorverlagerung der Strafbarkeit aus den Kreisen kommen, die versuchen, mit diffusen Begriffen wie ‘Hass und Hetze’ unliebsame, aber zulässige Meinungsäußerungen zu kriminalisieren oder anderweitig zu bekämpfen.“
Klarnamenpflicht im Internet soll kommen
Und längst hängt an dem Thema ein ganzer Rattenschwanz an weiteren Überwachungsmaßnahmen. „Damit die Täter rückverfolgt werden können, habe ich einen Gesetzentwurf zur IP-Adressenspeicherung vorgelegt“, sagte Hubig den Spiegel. Und damit nicht genug. Längst geht es auch um eine Klarnamenpflicht im Internet. „Die Forderung nach einer Klarnamenpflicht ist angesichts zunehmender Hasskriminalität im Internet grundsätzlich nachvollziehbar“, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums nun der Welt.
Die Katze aus dem Sack lässt dann der Vize-Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Günter Krings (JF berichtete): „Wenn Internetnutzer mit offenem Visier auftreten, ist das die wirksamste Möglichkeit, Hass und Hetze einzudämmen und zugleich die Meinungsfreiheit ohne Abstriche zu erhalten.“
Es droht der orwellsche Gesinnungsstaat
Es wäre allerdings auch das wirksamste Mittel, die Demokratie und Meinungsfreiheit in Deutschland zu schleifen und einen Staat zu schaffen, wie ihn sich George Orwell wohl in seinen schlimmsten Alpträumen nicht hätte vorstellen können. Denn wer traut sich dann noch, angesichts der Umstände, der Schlägerbanden der Antifa und der sozialen Ausgrenzungsmechanismen der „Zivilgesellschaft“ gegen Andersdenkende seine Meinung zu sagen?
Neue Gummiparagraphen, übereifrige Staatsanwälte, IP-Adressen-Speicherung und Klarnamenpflicht. Und das alles nur, weil Collien Fernandes Anzeige gegen ihren Ex-Mann erstattet hat. Und sie selbst? Fernandes hat die gerade zufällig laufenden Dreharbeiten der neuen „Traumschiff“-Staffel in Vietnam unterbrochen, „um Politikerinnen zu treffen und mit ihnen über den mangelnden gesetzlichen Schutz hinsichtlich digitaler Gewalt zu sprechen“, wie sie t-online sagt. Mit am Tisch: eine radikal linke Ideologie.
Bericht NIUS=
Der bizarre Auftritt der Collien Fernandes in Hamburg: „Ich stehe hier in schusssicherer Weste, weil Männer mich killen wollen“

Was für ein merkwürdiger Auftritt von Collien Fernandes am Donnerstag auf der Hamburger Demo gegen „sexualisierte Gewalt“. Die TV-Moderatorin stand nur kurz auf der Bühne, was sie sagte und auch wie sie sprach, sorgt jedoch für Stirnrunzeln. Vor allem ihre Behauptung, ihre Rede auf dem Hamburger Rathausmarkt unter Lebensgefahr zu halten, scheint aus der Luft gegriffen.
Collien Fernandes hatte die Hamburger Demo selbst auf Instagram angekündigt, ihre Teilnahme aber zunächst wegen angeblicher Morddrohungen und Sicherheitsbedenken abgesagt. Dann kam sie überraschend doch auf die Bühne und sprach – durchgehend (offenbar) den Tränen nah, teils fast weinend – von der immensen Belastung, die sie gerade erlebe. Sie müsse stark sein, „aber ich schaff’s grad nicht“.
Fernandes hatte die Demo selbst angekündigt, sagte dann wegen Sicherheitsbedenken ab, trat aber überraschend doch kurz auf.
Beim Wort „Männer“ buht das Publikum los
Zwischen Solidaritätsapplaus und befremdlicher Animation der Demo-Moderatorin („Hamburg, ist Collien stark?“) droppte Fernandes dann aber plötzlich – mit weiterhin zitternder Stimme – ein paar erstaunlich aufgeräumte Prozentzahlen zum „immensen Dunkelfeld“ innerhalb partnerschaftlicher Gewalt. Nur 5 Prozent der Fälle würden angezeigt und nur 2,4 Prozent der Fälle digitaler Gewalt.
Eine Quelle für diese Zahlen nannte Fernandes nicht. Stattdessen führte sie – noch immer fast weinend! – aus, wie gefährlich ihr Auftritt doch sei: „Ich stehe jetzt hier mit schusssicherer Weste, mit Polizeischutz und Security, weil ich Morddrohungen bekomme. Weil Männer – zu 100 Prozent Männer“ … laute Buh-Rufe im Demo-Publikum … „mich killen wollen.“
Collien ließ sich auf der Bühne von der Moderatorin trösten.
Es gab keine Gefährdungslage
Fakt ist: Nach Informationen der Hamburger Polizei lag im Zusammenhang mit Collien Fernandes und der Solidaritäts-Demonstration für sie keine konkrete Gefährdungslage vor. Das sagte ein Polizeisprecher des Hamburger Lagezentrums gegenüber Apollo News.
Fernandes beschwor trotzdem ein düsteres Szenario empor: Weil es so gefährlich sei, männliche Gewalt zu benennen und anzuzeigen, müsse man sich nicht wundern, dass „so viele Frauen den Mut nicht haben, rauszugehen und sagen, Dieses und Jenes wurde mir angetan.“ Zudem sollten männliche Täter, die ihre Frauen „digital missbrauchen“ oder „an die Wand hauen“ auch „die Eier haben“, zu ihren Taten zu stehen.
Vater von ermordeter Ann-Marie äußert sich zum Fall Fernandes: „Für unsere Kinder gab es keine Demo …“
https://nius.de/gesellschaft/vater-von-ermordeter-ann-marie-aeussert-sich-zum-fall-fernandes

Nach einer Demonstration in Hamburg, bei der Tausende aus Solidarität mit Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes wegen Vorwürfen einer „virtuellen Vergewaltigung“ auf die Straße gingen, meldet sich der Vater eines realen Mordopfers zu Wort. Michael Kyrath, dessen Tochter Ann-Marie 2023 bei der Messerattacke von Brokstedt getötet wurde, kommentiert die Veranstaltung mit bitteren Worten.
In einem Beitrag auf X schreibt Kyrath, für seine Tochter und alle anderen Opfer tödlicher Gewalt habe es „keine Demo“ gegeben. Weder Musiker noch Politiker hätten sich öffentlich engagiert, niemand sei aus Angst um Kinder auf die Straße gegangen.
„Analoge Gewalt kann man nicht abschalten“
Kyrtah wörtlich: „Für unsere Kinder gab es keine Demo … kein Musiker hat ein Konzert angeboten … kein Politiker hat geweint … keine Oma ist aus Angst um ihre Enkel auf die Straße gegangen! In der digitalen Welt scheinen viele vergessen zu haben, dass analoge Gewalt nicht bei Belieben auf Knopfdruck abzuschalten ist – und wie in unzähligen Fällen zu einem endgültigen, nicht revidierbarem Ergebnis geführt hat!“

Seine Tochter Ann-Marie war am 25. Januar 2023 im Alter von 17 Jahren gemeinsam mit ihrem Freund in einem Regionalzug bei Brokstedt von einem Täter mit einem Messer angegriffen und getötet worden. Bei dem Täter handelte es sich um einen staatenlosen Palästinenser, der zuvor bereits wegen Gewaltdelikten aufgefallen war.
Mehr sehen: Michael Kyrath im Interview bei Ralf Schuler: „Das Leben meiner Tochter war 1.497 Euro wert“
In seinem Beitrag auf X zeigt Michael Kyrath ein Video von Reality-Star Jan Leyk, der auf der Hamburger Demo für Fernandes anwesend war und ebenfalls die Frage stellte: Wo wart ihr bei den echten Opfern?
DJ und Reality-Star Jan Leyk (hier auf einem Event im Jahr 2023) besuchte die Collien-Solidaritäts-Demo in Hamburg – und stellte unbequeme Fragen.
Kyrath ruft in seinem Post zu einer eigenen Veranstaltung auf: Am 25. April soll es eine Trauerwache vor der Frauenkirche in Dresden geben. Dort will er ein Zeichen für mehr Sicherheit für Kinder setzen.
HateAid, Correctiv, Zero Covid: Das Aktivisten-Netzwerk hinter Collien Fernandes
https://nius.de/politik/collien-fernandes-hateaid-correctiv-aktivisten-netzwerk

Collien Fernandes hat enge Kontakte in linksaktivistische Milieus.
Die Schauspielerin Collien Fernandes wirft ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vor, sie „virtuell vergewaltigt“ zu haben. An dieser Darstellung, über die der Spiegel vor einer Woche exklusiv berichtete, kommen immer mehr Zweifel auf. Einerseits offenbarte Fernandes am gestrigen Donnerstag in einem Post auf Instagram, dass ihre Schilderungen ausschließlich auf Informationen Dritter beruhen und sie keine gesicherten Informationen darüber hat, ob Ulmen tatsächlich sogenannte Deepfakes von ihr versendete – also KI-generierte pornografische Videos.
Andererseits entpuppt sich die Berichterstattung des Spiegel immer deutlicher als Teil einer linken Kampagne, mit der zahlreiche linke Aktivisten verknüpft sind. So treibt das Justizministerium, zeitlich passend zum Artikel im Spiegel, ein Gesetz für „digitalen Gewaltschutz“ voran, das Kritiker als Angriff auf die Meinungsfreiheit werten.
Das Aktivisten-Netzwerk hinter Collien Fernandes.
HateAid
Seit Jahren ist Fernandes im linksaktivistischen Milieu vernetzt. So arbeitet sie eng mit HateAid zusammen. Bereits 2023 ließ sie sich mit HateAid-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg ablichten, gemeinsam sammelten sie Unterschriften, um das Justizministerium zu strengen Gesetzen gegen Deepfake-Apps zu drängen. Im vergangenen Jahr drehte Fernandes zusammen mit der Organisation eine Kurz-Dokumentation zu dem Thema.
Auch nach Veröffentlichung der Vorwürfe gegen Ulmen begleitete HateAid Fernandes mit einer bemerkenswert gut orchestrierten Kampagne. Nicht nur traten von Hodenberg und ihre Mit-Geschäftsführerin Josephine Ballon in zahlreichen Medien auf, auch in den sozialen Netzwerken postete die Organisation mehrere Beiträge mit Hashtags wie „Der Feind im eigenen Bett“. Von Hodenberg erklärte gegenüber RTL, dass sie schon seit einigen Monaten von den Vorwürfen gewusst habe.
Kurz nach Erscheinen des Spiegel-Artikels hatte HateAid die passenden Kacheln für Social Media parat.
HateAid lobbyiert seit Jahren für strengere Gesetze im Netz. So trafen sich Vertreterinnen der Organisation im Oktober mit Justizministerin Hubig, um über „digitale Gewalt und bildbasierte sexualisierte Gewalt“ zu sprechen. Im Februar schickte HateAid einen Vorschlag für ein Gesetz gegen sexualisierende Deepfakes an das Justizministerium, wie Apollo News berichtete. Die zentralen Forderungen übernimmt Hubig in ihrem Gesetzentwurf, wie ein Auszug daraus zeigt, den der Journalist Benjamin Stibi veröffentlichte. Allerdings geht der Entwurf von Hubig noch darüber hinaus und reguliert auch nicht-sexualisierte Deepfakes, was Beobachter als Angriff auf die freie Rede werten.
Der Vorschlag für ein neues Gesetz von HateAid.
Auch im Umfeld von Hubig ist man auf der Seite von Fernandes und HateAid. Der Parlamentarische Staatssekretär im Justizministerium, Frank Schwabe (SPD), hatte sich im Dezember für HateAid ausgesprochen: „In Deutschland und der EU entscheiden deutsche und europäische Gesetze, wie wir mit digitalem Hass und digitaler Hetze umgehen. HateAid ist dabei eine wertvolle Hilfe. Wenn es HateAid nicht gäbe, müsste es genau jetzt gegründet werden.“

Nachdem Fernandes die Vorwürfe gegen Ulmen veröffentlicht hatte, solidarisierte sich Schwabe auf Instagram mit ihr: „Nein, es sind ‚nicht alle Männer‘. Aber das, was Collien Fernandes widerfahren ist, was ihr angetan wurde, tun eigentlich (fast) nur Männer gegenüber Frauen.“

Correctiv
Auch zum Medienhaus Correctiv bestehen Beziehungen. So hatte Fernandes mit der Journalistin Marie Broeckling für das ZDF eine zweiteilige Dokumentation über pornografische Deepfakes gedreht. Später, von Januar bis August 2025, arbeitete Broeckling für Correctiv und war dort für die Berichterstattung über ein mögliches AfD-Verbot zuständig.
In der Dokumentation gehen die beiden auf die Suche nach den Porno-Deepfakes, die Fernandes zeigen sollen. Allerdings finden sie im Verlauf der langen Recherche keine solchen Videos. Dennoch resümiert Fernandes am Ende des zweiten Teils: „Es werden Sex-Videos verschickt.“ Dass hierfür bis zum Ende der Dokumentation keine Belege vorgelegt werden, verdeutlicht die aktivistische Intention.
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Zero Covid
Collien Fernandes hat sich laut Spiegel von der Anwältin Christina Clemm beraten lassen. Clemm schreibt auf ihrer Website über sich: „Ich fühle mich dem intersektionalen Feminismus und Antifaschismus verbunden und bin auch außerhalb der Gerichtssäle in verschiedenen Zusammenhängen politisch aktiv.“
Clemm initiierte unter anderem die Kampagne „Zero Covid“, die sich 2021 für besonders harte Corona-Restriktionen aussprach. Unter anderem forderte das Bündnis einen kompletten Lockdown, bis die Inzidenz auf null gesunken sei. Die Petition strotzte nur so vor linkem Vokabular: „Das Profitstreben im Gesundheits- und Pflegebereich gefährdet die kollektive Gesundheit“, hieß es dort etwa, oder auch: „Die Gesellschaften in Europa haben enormen Reichtum angehäuft, den sich allerdings einige wenige Vermögende angeeignet haben.“
Die brisanten Hintergründe der Affäre Ulmen-Fernandes: Chronik eines medialen Staatsstreichs
https://nius.de/analyse/collien-fernandes-christian-ulmen-virtuelle-vergewaltigung-deepfakes-hateaid

Die Geschichte über den Fall Ulmen/Fernandes hat alles, was eine linke Groteske braucht: eine Correctiv-Journalistin, eine Steuergeld-NGO, eine Zero-Covid-Aktivistin, eine raunende Spiegel-Titelstory und eine Ministerin, die die Meinungsfreiheit einschränken will.
Die Geschichte von Collien Fernandes und Christian Ulmen könnte die Geschichte einer gescheiterten Ehe sein. Einer gestörten Beziehung zweier Schauspieler, in der die Frau zum Opfer ihres Mannes wurde, der sie – so erzählt es Fernandes – körperlich angegriffen, aber auch mit einem abstoßenden Fetisch gedemütigt haben soll, ohne dass sie es wusste.
Collien Fernandes und Christian Ulmen heirateten im Juni 2011. Das Foto zeigt das Paar im März des Jahres beim Radio Regenbogen Award.
Doch diese Geschichte ist viel mehr, und das liegt an der Kampagne, in deren Zentrum das Schicksal von Fernandes gesetzt wurde.
„Du hast mich virtuell vergewaltigt“
Am vergangenen Donnerstag, dem 19. März, veröffentlichte der Spiegel unter der Überschrift „Du hast mich virtuell vergewaltigt“ einen langen Text über Fernandes, in dem sie ihrem Ex-Mann Ulmen vorwirft, über Fake-Profile gefälschte sexualisierte Darstellungen von Fernandes verbreitet und unter ihrem Namen, aber ohne ihr Wissen, mit Männern geflirtet und sogar Telefonsex gehabt haben soll. Er selbst hat sich zu den Vorwürfen noch nicht geäußert, sein Anwalt spricht von „unwahren Tatsachen“. Für Ulmen gilt, ebenso wie für Fernandes, die Unschuldsvermutung.
Die gedruckte Ausgabe des Spiegels erschien am 20. März 2026 mit der Fernandes-Geschichte auf der Titelseite.
Seitdem diese Geschichte an die Öffentlichkeit gelangt ist, wird wenig über die Beziehung von Fernandes und Ulmen und dafür viel über strengere gesetzliche Restriktionen im Netz gesprochen. Und genau das, darauf deuten umfangreiche Recherchen von NIUS hin, könnte genau so von Beteiligten beabsichtigt sein.
Die Geschichte über den Fall Ulmen/Fernandes hat alles, was eine linke Groteske braucht: eine Correctiv-Journalistin, eine Steuergeld-NGO, eine Zero-Covid-Aktivistin, eine raunende Spiegel-Titelstory und eine Ministerin, die die Meinungsfreiheit einschränken will. Was sie nicht hat, ist Klarheit darüber, was im Hause Ulmen-Fernandes eigentlich passiert ist.
Die Sache mit den Deepfakes
Ganz Deutschland spricht über Deepfakes. Um gefälschte Videos von real existierenden Personen also, die mithilfe von KI erstellt wurden. Und ganz gleich, welchen Sender man einschaltet, welche Zeitung man aufschlägt, die Botschaft ist überall dieselbe: Es braucht jetzt härtere Gesetze gegen dieses neue Phänomen, vor allem gegen pornografische Deepfakes, die durch den Fall Ulmen erstmals ins öffentliche Bewusstsein getreten sind.
Dabei stellt sich eine banale und doch entscheidende Frage: Hat Christian Ulmen überhaupt Deepfakes verschickt? Die Beleglage muss zumindest dem Spiegel dünn erscheinen. Denn er vermeidet in seinem Text eine klare Aussage. Wann immer es um die Videos geht, die Ulmen verschickt haben soll, wählt das Magazin eine andere Formulierung: Fremde Männer hätten von den Fake-Profilen Videos erhalten, in denen die Protagonistinnen Fernandes „zum Verwechseln“ oder „täuschend“ ähnlich gesehen haben sollen.
In einer E-Mail, die Ulmen laut Spiegel an einen Berliner Strafverteidiger schickte, soll Ulmen seine Taten gestanden haben. Der Spiegel gibt Ulmens Schilderung wie folgt wieder: „Er habe den Gesprächspartnern Videos geschickt, die auf frei zugänglichen Pornoseiten erhältlich gewesen seien und deren Protagonistinnen seiner Frau ähnlich gesehen hätten.“
Christian Ulmen hat sich bis heute nicht zu den Vorwürfen geäußert.
An keiner Stelle schreiben die Autoren des Spiegels ausdrücklich, dass Ulmen Deepfakes verschickt habe. Ein Zufall ist ausgeschlossen: Bei dem Text handelt es sich um Verdachtsberichterstattung, ein Genre, das dem Spiegel zuletzt immer wieder gerichtliche Auseinandersetzungen eingebracht hat. Jedes Wort in einem solchen Artikel wird von der juristischen Abteilung abgeklopft.
Offenbar reichte dem Spiegel die Beleglage nicht aus, um Ulmen das Versenden von Deepfakes zu unterstellen. Offen bleibt, ob das Magazin überhaupt eines der gefälschten pornografischen Videos einsehen konnte, die gegen den Willen von Fernandes erstellt und verschickt worden sein sollen. Eine entsprechende Anfrage, die auch viele weitere Fragen enthielt, ließ der Spiegel unbeantwortet.
Die gefakten Videos von Fernandes zu finden, ist offenbar nicht ganz leicht. Zumindest kommt man zu diesem Schluss, wenn man sich eine Dokumentation ansieht, die Fernandes 2024 für das ZDF drehte. „Deepfake-Pornos: Digitaler Missbrauch“ heißen die beiden Folgen aus der Reihe „Die Spur“, Co-Autorin von Fernandes ist bezeichnenderweise die Journalistin Marie Bröckling, die zuletzt als Investigativ-Reporterin für das Medienhaus Correctiv arbeitete und dort vor allem über die AfD-Verbots-Debatte berichtete. Correctiv ist als linksaktivistische Plattform bekannt, der kürzlich gerichtlich untersagt wurde, die Behauptung zu verbreiten, bei einem Geheimtreffen in Potsdam sei ein Remigrations-„Masterplan“ geschmiedet worden – eine zentrale Erzählung des linken Lagers, die 2024 Millionen Menschen auf die Straße brachte.
Auch die Recherche-Methoden von Bröckling und Fernandes in der Deepfake-Dokumentation werfen Fragen auf. Ihr Ziel ist es, an die Macher der Fernandes-Deepfakes zu gelangen und sie mit ihren Taten zu konfrontieren. Doch sie scheitern. Nicht, weil die Täter nicht mit ihnen sprechen würden. Sondern weil sie keinen einzigen Deepfake-Porno von Fernandes im Netz ausfindig machen können.
Im Gegenteil: Alle Spuren entkräften die Erzählung der angeblich verschickten Deepfakes. So telefoniert Fernandes etwa mit einem Mann, der ihr zuvor per Mail berichtet hatte, Sex-Videos von ihr von einem Fake-Account erhalten zu haben. Fernandes will es genauer wissen und spricht mit dem Mann: „Im Telefonat bestätigt er mir, dass er Nacktbilder erhalten hat. Ob es sich um Deepfakes handelt oder andere Montagen, kann er mir nicht genau sagen“, erklärt sie. Keine Videos also, und auch bei den Bildern ist nicht klar, ob KI eingesetzt wurde. Dennoch resümiert Fernandes: „Es werden Sex-Videos verschickt.“
Auf Anfrage von NIUS, ob tatsächlich pornografische Deepfakes verschickt wurden, teilt Fernandes mit: „Das sind verschiedene Punkte. Zum einen gibt es Menschen, die Deepnudes von mir online gestellt haben, zum anderen gibt es die pornografischen Videos, die der Täter unter meiner Identität verschickt hat. Hierüber haben uns Männer informiert, die die Echtheit dieses Profils anzweifelten.“ Fernandes widerspricht also der Darstellung, Ulmen habe Deepfakes von ihr verbreitet.
Tatsächlich ist in der gesamten ZDF-Dokumentation nur von einem einzigen Deepfake-Porno die Rede, der von Fremden auf der Plattform Pornhub hochgeladen und anschließend auf Bitten von Fernandes von der Plattform gelöscht worden sein soll. Gesehen hat Fernandes den Clip nicht: „Es gab einen ganz konkreten Clip, da habe ich mir quasi erzählen lassen, was darin passiert“, sagt Fernandes. Die Schilderung der Löschung widerspricht allerdings der Darstellung des Spiegels. Der schreibt in seiner Fernandes-Story: „Fernandes hat mehrmals versucht, solche Aufnahmen mithilfe von Anwälten und entsprechenden Löschaufforderungen aus dem Netz zu bekommen. Vergebens.“
Auch eine weitere Dokumentation wirft Fragen auf. Vor rund einem Jahr veröffentlichte die Organisation HateAid, mit der Fernandes seit Langem zusammenarbeitet, ein Video zum Thema Deepfakes mit dem Titel „Sex-Videos, die Frauen bloßstellen“. Fernandes beschrieb darin, dass die vermeintlichen Deepfakes nicht als solche anerkannt worden seien: „Da gibt es ein Bild, da habe ich Sex mit meinem Partner. Und da verstehe ich nicht, dass die sagen: Nee, können wir nicht feststellen, dass das ein Deepfake sein soll. Das ist Pornomaterial und das ist ganz klar nicht echt.“
Auf die Frage, wer genau die Deepfakes anzweifelte, teilt Fernandes gegenüber NIUS mit: „Im Rahmen der ZDF-Dokumentation haben wir verschiedene Bilder bei verschiedenen Plattformen als Deepfake gemeldet und bekamen die Rückmeldung, auch bei Bildmaterial, bei dem es sich ganz klar um sogenanntes Deepfake-Material handelt, dass man das nicht feststellen könne.“
Das Video ist am 4. März 2025 erschienen. Fernandes wusste zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben bereits, dass ihr Mann hinter den Fake-Accounts steckte. Das soll er ihr am ersten Weihnachtsfeiertag 2024 gebeichtet haben. Der Gedanke, dass es sich bei dem pornografischen Bildmaterial also nicht um Fakes handeln musste, sondern ihr Mann die Bilder heimlich oder auch einvernehmlich aufgenommen und dann gegen Fernandes’ Willen veröffentlicht haben könnte, liegt nahe. Doch er passt wohl nicht in das Narrativ, das HateAid und Fernandes setzen wollten.
Ebenfalls nicht in das Narrativ einer angeblichen Gesetzeslücke bei der Verfolgung von Straftaten im Netz passt, was die Staatsanwaltschaft Itzehoe gegenüber NIUS mitteilt. Im November 2024 hatte Fernandes demnach wegen des Identitätsdiebstahls in Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Das Verfahren wurde an die Staatsanwaltschaft Itzehoe weitergeleitet, dort bat man Fernandes darum, Unterlagen einzureichen, um weiterermitteln zu können. Dem kam Fernandes allerdings nicht nach. Weil damit die Ermittlungsansätze fehlten, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren im Juni 2025 ein.
Was war in der Zwischenzeit passiert? Warum hatte Fernandes auf einmal kein Interesse mehr an der Verfolgung der Taten? Schenkt man ihren Schilderungen im Spiegel Glauben, dann beichtete ihr Ulmen nur einen Monat nach der Anzeige gegen Unbekannt seine Taten, am ersten Weihnachtsfeiertag. Fernandes wusste nun, gegen wen ermittelt werden würde. Dass sie dies, womöglich zum Schutz der gemeinsamen Tochter, nicht befeuern wollte, ist durchaus denkbar. Doch als Beispiel für mangelnde Möglichkeiten des deutschen Strafrechts, gegen Deepfakes vorzugehen, taugt sie damit kaum mehr.
Christina Clemm bei der Premiere ihres Buches „Gegen Frauenhass“ in der Berliner Volksbühne.
Stattdessen tut Fernandes etwas anderes: Sie wendet sich an eine Anwältin, Christina Clemm, die auch als Aktivistin bekannt ist. Clemm hatte 2021 die Kampagne „Zero Covid“ ins Leben gerufen, die sich für drastische Beschränkungen des öffentlichen Lebens einsetzte, um die Corona-Inzidenzen auf null zu bringen. Statt die Strafverfolgung in Deutschland voranzutreiben, erstattet Fernandes Ende 2025 Anzeige in Spanien, wo die Familie einen Wohnsitz hat. Und zündet wenige Monate später die mediale Bombe.
Der mediale Sturm
Der Vorbote des medialen Sturms ereignet sich am 13. März im Kölner Treff des SWR. Fernandes berichtet dem Moderator Micky Beisenherz vom Identitätsdiebstahl, von dem pornografischen Material, das in ihrem Namen, aber gegen ihren Willen verschickt werde. Sie erklärt, sie wisse, wer der Täter sei, nennt aber den Namen nicht. Stattdessen sagt sie mit schwacher Stimme einen anderen Satz: „Deswegen bin ich auch für eine Identifikationspflicht im Netz, das wäre dann ja gar nicht passiert, wenn es die gäbe.“
Collien Fernandes beim Kölner Treff
Am 19. März enthüllt der Spiegel, wer hinter den Fake-Accounts stecken soll: Fernandes’ Ex-Mann, Christian Ulmen. Innerhalb kürzester Zeit bricht eine Woge der Empörung los – über die mutmaßlichen Taten, die als verstörend und abstoßend empfunden werden. Aber auch über die Politik, die nun endlich handeln müsse.
Die Website der Bild-Zeitung ist zugepflastert mit den Gesichtern von Ulmen und Fernandes, in der 8-Uhr-Tagesschau ist der Fall am Folgetag Aufmacher. Die Tagesthemen interviewen Hubig und Fernandes, die erklärt: „Mir ist einfach wichtig, darauf hinzuweisen, welche gesetzlichen Schutzlücken es gibt.“ Sogar im ARD-Promi-Magazin „Brisant“ sitzt am Samstagnachmittag eine aufgeregte Celebrity-Expertin auf dem Sofa und redet sich in Rage, dass die Regierung nun im Netz durchgreifen müsse.
Aus einem Rosenkrieg ist in wenigen Stunden eine Staatsaffäre geworden. Ganz so, als passiere hier nichts aus Versehen.
Die Rolle von HateAid
Passenderweise hat Fernandes seit Jahren eine Organisation an ihrer Seite, die sich mit Kampagnen auskennt: HateAid, eine mit Millionen Euro Steuergeld finanzierte Vorfeld-Organisation der Grünen, die regelmäßig Schlagzeilen damit macht, zusammen mit linken Politikern gegen Meinungsäußerungsdelikte von Bürgern vor Gericht zu ziehen. Wie gut HateAid medial vernetzt ist, zeigt sich in ihrem Tätigkeitsbericht für 2024, wo sie sich für „738 Erwähnungen in der Presse“ rühmt.
Bereits 2023 lassen sich HateAid-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg und Fernandes für eine gemeinsame Kampagne gegen sogenannte Face-Swap-Apps ablichten, mit denen Deepfakes erstellt werden können. Sie sammeln 70.000 Unterschriften und übergeben sie dem Digitalministerium.
HateAid-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg und Collien Ulmen-Fernandes. (copyright: Nick Jaussi/Campact)
In der ZDF-Dokumentation von Fernandes aus dem Jahr 2024 kommt mehrmals Josephine Ballon zu Wort, die zweite Geschäftsführerin von HateAid: „Virtuelle Gewalt ist reale Gewalt“, erklärt Ballon. Sie klingt ganz ähnlich wie Justizministerin Hubig, die im Spiegel-Interview am Freitag erklärte: „Deshalb mache ich keinen Unterschied zwischen analoger und digitaler Gewalt.“ Der Spin, den HateAid seit Jahren zu setzen versucht, ist endlich in der Bundesregierung angekommen.
Die Drähte zwischen HateAid und Justizministerium sind kurz, wie Recherchen von NIUS zeigen. Das Ministerium erklärt auf Anfrage, dass sich Hubig seit Amtsantritt mindestens einmal mit Vertreterinnen von HateAid getroffen hat, um unter anderem über „digitale Gewalt und bildbasierte sexualisierte Gewalt“ zu sprechen. Das Ministerium weist aber darauf hin, dass es weitere Treffen gegeben haben könnte, es bestehe keine „Verpflichtung zur Erfassung sämtlicher Termine“.
Das Gespräch von Hubig mit HateAid fand am 14. Oktober 2025 statt. Dieses Datum ist auch deshalb brisant, weil Anna-Lena von Hodenberg zu diesem Zeitpunkt über die Vorwürfe von Fernandes gegen Ulmen bereits im Bilde gewesen sein könnte. Einen Tag nach Erscheinen der Spiegel-Geschichte, am Abend des vergangenen Freitags, erklärte von Hodenberg im Interview mit dem RTL-Nachtjournal, die Schilderungen von Fernandes hätten sie erschüttert: „Ich habe es ja schon vor einigen Monaten erfahren.“ Einige Monate Zeit also, um die gesamte Kampagnenkraft von HateAid zu bündeln.
Justizministerin Stefanie Hubig am 20. März im Deutschen Bundestag
Doch das Ministerium behauptet, die Ministerin sei vorab nicht über die Spiegel-Berichterstattung informiert worden: „Die konkreten Vorwürfe waren der Ministerin nicht vor der entsprechenden öffentlichen Berichterstattung des Spiegels in der vergangenen Woche bekannt und dementsprechend auch nicht Gegenstand des Gesprächs.“
Fernandes erklärt ebenfalls gegenüber NIUS: „Es gab keine Absprachen zwischen meinen Anwälten und dem Justizministerium und auch keine Absprachen zwischen meinen Anwälten und HateAid.“
Nach Erscheinen des Spiegel-Artikels startet HateAid eine Offensive in den sozialen Netzwerken. Unter dem Hashtag #DerFeindImEigenenBett verbreitet die Organisation irreführende Behauptungen. So insinuiert sie etwa in einem Instagram-Post, Ulmen habe ein Video von Fernandes mit dem Titel „Abwichsvorlage“ verbreitet:
„Collien macht öffentlich, was ihr Ex-Mann Christian Ulmen wohl verbergen will. Und was er über Jahre vor ihr verheimlicht haben soll. Denn so lange versuchte Collien herauszufinden, wer hinter den gefälschten Nacktaufnahmen von ihr im Netz steckt. Wer in ihrem Namen Männer angeschrieben und mit verstellter Stimme Telefon-Sex hatte. Wer ein gefälschtes Sexvideo von ihr mit der Überschrift ‚Abwichschallenge‘ veröffentlicht hat. Jetzt erhebt sie schwere Vorwürfe gegen Ulmen.“
Tatsächlich aber lässt sich dem Spiegel entnehmen, dass unklar ist, wer dieses Video erstellt hat. Nicht einmal Fernandes selbst wirft Ulmen vor, dieses Video verschickt oder erstellt zu haben. Auf einen Fragenkatalog, in dem NIUS HateAid zum gesamten Sachverhalt befragt, kam bis Redaktionsschluss keine Antwort.
Stattdessen nutzt die Organisation weiter das vermeintliche Momentum für die eigene Agenda. Einen Tag später postet die Organisation einen weiteren Instagram-Beitrag: „Lasst uns die Wut über das, was Collien Fernandes erlebt hat, nutzen. Dafür, dass Frauen in Zukunft besser geschützt sind. Wir fordern die Bundesregierung auf: Die Gesetzeslücken müssen endlich geschlossen werden.“ Eine entsprechende Petition ist angehängt.
Und die Bundesregierung liefert.
Angriff auf die Redefreiheit
Justizministerin Hubig klingt in diesen Tagen wie eine Sprecherin. Aber nicht wie eine ihres eigenen Ministeriums, sondern ganz so, als wäre sie im Auftrag der HateAid-Kampagne unterwegs.
Am Morgen nach Erscheinen des Spiegel-Textes interviewt das Magazin auch Hubig. Dabei übernimmt diese nicht nur die Gleichsetzung von „analoger und digitaler Gewalt“ von HateAid. Der Verweis auf Gisèle Pelicot, die über Jahre von ihrem Ehemann betäubt und von ihm und 50 weiteren Männern vergewaltigt wurde, klingt nahezu identisch wie im Spiegel-Text. Hubig erklärt: „Ich sage, dass es Hilfe gibt und dass wir die Hilfe weiter ausbauen werden. Und dass es sich immer lohnt, Vorfälle anzuzeigen. Ich erinnere an Gisèle Pelicot: Die Scham muss die Seite wechseln.“ Im Spiegel hieß es am Tag zuvor: „Pelicots berühmter Satz, wonach die Scham die Seiten wechseln müsse – weg von den Opfern, hin zu den Tätern –, ist für andere zum Leitmotiv geworden. Auch für Frauen wie Fernandes.“
Am Abend desselben Tages meldet sich Hubig in den Tagesthemen zu Wort. Sie erklärt ihre geplanten Gesetzesverschärfungen, die bei pornografischen Deepfakes „das Herstellen, Teilen und Verbreiten“ unter Strafe stellen sollen. Zudem sollen Betroffene Auskunft über den Inhaber der IP-Adresse der Täter bekommen und Account-Sperren beantragen können. Sperren jener Accounts, „von denen diese Beleidigungen, Demütigungen ausgehen, also diese Straftaten sozusagen erfolgen“, wie Hubig ausführt.
Mit dem Wort „Demütigungen“ wählt Hubig einen Begriff, der juristisch nicht klar definiert ist. Ähnlich wie bei „Hass und Hetze“ kann darunter alles fallen, was dem Gegenüber nicht in den Kram passt. Diese Schwammigkeit setzt sich fort, wenn man in den Gesetzentwurf blickt. Der Journalist Benjamin Stibi veröffentlichte auf X einen Auszug aus dem Entwurf. Darin soll ein Straftatbestand für Deepfakes eingeführt werden: „Wer einer dritten Person einen mittels eines Computerprogramms erstellten oder veränderten Inhalts (…), der den Anschein erweckt, ein tatsächliches Geschehen in Bezug auf eine andere Person wiederzugeben, und der geeignet ist, dem Ansehen dieser Person erheblich zu schaden, unbefugt zugänglich macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
Wann aber ist ein Deepfake harmlos, also juristisch irrelevant, und wann schadet es dem Ansehen einer Person „erheblich“?
Hierzu gibt die Begründung des Entwurfs Aufschluss, aus der Stibi zitiert: „Zur Ansehensschädigung im Sinne von § 201b Absatz 1 StGB-E ist der Inhalt geeignet, wenn die dargestellte lebende oder verstorbene Person durch ihn verächtlich gemacht oder in der öffentlichen Meinung herabgewürdigt werden kann (…). Durch das Merkmal der Eignung zur ‚erheblichen‘ Ansehensschädigung wird sichergestellt, dass die Beeinträchtigung eine gewisse Schwere erreichen muss und nicht mehr als sozial hinnehmbar erscheinen kann.“
Nicht mehr „sozial hinnehmbar“ – mit dieser schwammigen Definition würde in Zukunft über die Grenze von erlaubt und verboten entschieden, und das auf dem Feld des Äußerungsrechts. Damit stünde schon das Verbreiten von regierungskritischen KI-Darstellungen oder Fotomontagen unter Verdacht – man erinnere sich an den Fall von Deutschlandkurier-Chef David Bendels, der von einer Zwischeninstanz zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war, weil er der ehemaligen Innenministerin Nancy Faeser den Text „Ich hasse die Meinungsfreiheit“ auf ein gehaltenes Schild montiert hatte.
Statt Frauenrechte zu verbessern, gerät durch die Kampagne also die Meinungsfreiheit in Gefahr. Lars Klingbeil gab im Talk von Pinar Atalay am Montagabend offen zu, dass der öffentliche Druck durch den Fall Ulmen/Fernandes seinen Sozialdemokraten gelegen kommt: „Natürlich ist ein solcher öffentlicher Fall jetzt auch nochmal eine Beschleunigung dafür, dass alle in der Regierung sehen: Das muss jetzt schnell entschieden werden, wir brauchen jetzt schnell eine Gesetzgebung.“
Finanzminister und SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil im Interview mit Pinar Atalay.
Und der öffentliche Druck ist hoch: Am Sonntag demonstrieren Tausende in Berlin aus Solidarität mit Fernandes. Aufgerufen hat unter anderem der „Feminist Fight Club“, Klimaaktivistin Luisa Neubauer erklärt auf der Bühne, die Männer könnten dankbar sein, dass Frauen keine „Vergeltung“ forderten. Auf der Bühne wird für die sogenannte „Brandmauer“ agitiert, neben der Bühne erklärt die ehemalige SPD-Chefin Saskia Esken in ein Mikrofon, wie gefährlich kritische Presse wie NIUS sei. Die linke Aktivistin Leonie Löwenherz fordert in einem Video, dass Christian Ulmen „und alle anderen Täter an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen dieser Nation aufgehangen und öffentlich kastriert werden“.
Die grüne Politikerin Lisa Paus und Saskia Esken von der SPD demonstrierten in erster Reihe vor dem Brandenburger Tor.
In einer gemeinsamen Erklärung formulieren 250 prominente Frauen einen 10-Punkte-Plan gegen Gewalt an Frauen, darunter Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die Satirikerinnen Carolin Kebekus und Hazel Brugger, die Sängerin Ikkimel, aber auch Politikerinnen wie Ricarda Lang (Grüne) und Arbeitsministerin und SPD-Chefin Bärbel Bas. Sie fordern etwa, dass die Erstellung und Verbreitung sexualisierter Deepfakes verboten wird, aber auch die Einführung der „Ja heißt Ja“-Regel, nach der sexuelle Handlungen ohne ausdrückliche Einwilligung strafbar wären.
Von Hessens CDU-Ministerpräsident Boris Rhein über die Ex-Familienministerin Lisa Paus bis zur ehemaligen Außenministerin Annalena Baerbock (beide Grüne) lässt nahezu niemand ein Statement aus. Baerbock versteigt sich auf Instagram zu der Aussage: „Nichtstun ist Komplizenschaft.“ Die Botschaft ist klar: Wer jetzt kein hartes Vorgehen im Netz fordert, deckt „virtuelle Vergewaltiger“.
Am Ende könnte vom Spiegel-Text in etwa so viel bleiben wie von der Geheimplan-Recherche von Correctiv. Durch geschickte Insinuation glauben der Leser und viele andere Medien nach der Lektüre, Christian Ulmen habe pornografische Deepfakes seiner Frau verbreitet. Das trifft, so legt die NIUS-Recherche nahe, wohl nicht zu – passt aber umso besser in das Narrativ einer Regierung, die ebendiese Deepfakes gesetzlich regulieren möchte.
