Mehr Morde, mehr Vergewaltigungen, 80 Messerattacken am Tag: Die Wahrheit hinter Dobrindts Kriminalstatistik 21/4/26

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Berlin – Weniger Straftaten, mehr Morde – Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) präsentierte heute bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2025 neue Zahlen zur Kriminalität in Deutschland. Sie zeigen: Hinter der scheinbaren Erfolgsmeldung stecken auch bittere Wahrheiten. Während die Gesamtzahlen laut Statistik sinken, wächst die Sorge vor schwerer Gewalt, Messerattacken und einem hohen Anteil von Migranten unter den Tatverdächtigen.
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Gemeinsam mit BKA-Präsident Holger Münch und dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), stellte Dobrindt am Montag die neue Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2025 vor. Schon zuvor berichtete die Welt über Details aus dem Bericht. Demnach habe die Polizei 2025 rund 5,5 Millionen Straftaten registriert. Das bedeute einen Rückgang von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dobrindt stellt Kriminalstatistik vor: Zahl der Morde und Vergewaltigungen stieg leicht

Doch der Rückgang der Kriminalität ist auch statistischer Natur: Die Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 führte dazu, dass deutlich weniger Drogendelikte erfasst wurden, was die Gesamtzahlen nach unten drückte. Würde man das herausrechnen, bleibe ein Rückgang von 4,7 Prozent, so Dobrindt bei der Pressekonferenz am Montag. Es gebe also dennoch eine „leichte Reduzierung“ an Straftaten, so Dobrindt, nachdem sie zuvor jahrelang gestiegen war. Dies gebe Anlass zur Hoffnung, dass die Kriminalität langfristig zurückgehe.

Auch die Gewaltkriminalität sank auf den ersten Blick leicht – um 2,3 Prozent. Es gab in Deutschland 2025 580 Gewaltdelikte pro Tag, so Dobrindt bei der Pressekonferenz. Doch bei den besonders schweren Delikten zeigt die Kriminalstatistik laut Welt eine alarmierende Entwicklung: Die Zahl der Fälle von Mord und Totschlag stieg um 6,5 Prozent. Noch deutlicher sei der Anstieg bei Vergewaltigungen und besonders schweren sexuellen Übergriffen. Hier gibt es wohl ein Plus von 8,5 Prozent. Auch der sexuelle Missbrauch von Kindern nahm demnach weiter zu.

Kriminalstatistik 2025: 90 Messerangriffe pro Tag – Anteil von Migranten überproportional hoch

Ein besonderer Schwerpunkt der Kriminalstatistik liegt auf Messerangriffen. Insgesamt wurden 2025 rund 29.000 Messerstraftaten erfasst. Das entspricht im Schnitt knapp 80 Messerstraftaten pro Tag und ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr, wie die Welt schreibt. Dabei zählt die Statistik ausschließlich Fälle, in denen ein Messer unmittelbar gegen eine Person eingesetzt oder damit gedroht wurde, und nicht das bloße Mitführen. Besonders erschreckend: Bei Mord und Totschlag kam in rund vier von zehn Fällen ein Messer zum Einsatz.

Die Kriminalstatistik zeigt auch, dass der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund unter den Tatverdächtigen überproportional hoch ist. „Man kann aus der Statistik herauslesen, dass nichtdeutsche Tatverdächtige fast 43 Prozent ausmachen und deswegen deutlich überrepräsentiert sind“, erklärte Dobrindt heute.

Die sogenannte Tatverdächtigenbelastungszahl – Tatverdächtige pro 100 000 Einwohner – macht dies laut Welt deutlich: Sie lag bei ausländischen Tatverdächtigen 2025 bei 4.788, bei deutschen Verdächtigen bei 1.813. Damit ist die Belastung migrantischer Personen um den Faktor 2,6 höher. Im Bereich der Gewaltkriminalität ist der Unterschied noch gravierender, heißt es: Hier liegt der Anteil ausländischer Tatverdächtiger bei 628 und damit viermal höher als der Anteil deutscher Tatverdächtiger (158).

Höherer Anteil von jungen Männern und Personen mit Migrationshintergrund

Für diese Unterschiede nenne die Kriminalstatistik mehrere Erklärungsansätze: demografische Faktoren wie den höheren Anteil von jungen Männern bei Menschen mit Migrationshintergrund sowie soziale Belastungen, schwierige Lebensbedingungen und Gewalterfahrungen insbesondere bei Migranten.

Unter den ausländischen Tatverdächtigen stammen der Kriminalstatistik zufolge zahlenmäßig die meisten aus der Türkei (79.205), gefolgt von Syrien (76.755) und Rumänien (65.556). Es folgen Tatverdächtige aus der Ukraine (56.909), Polen (45.513) und Afghanistan (40.461). Diese Zahlen geben nur absolute Fallzahlen wieder – nicht die Belastung im Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerungsgröße in Deutschland.

Dobrindt erklärte bei der Vorstellung der Kriminalstatistik, es stelle sich die Frage, welche Konsequenzen für politische Entscheidungen man aus diesen Zahlen ziehen sollte. Er nannte IP-Adressen-Speicherung und eine Stärkung der polizeilichen Ermittlungsbefugnisse. „Wir sind bei beiden Gesetzen sehr weit fortgeschritten“, kündigte er an.

Kriminalstatistik 2025: Grüne warnen vor falscher Debatte – „Migration zum Hauptproblem erklärt“

Noch vor der Vorstellung der Kriminalstatistik durch CSU-Innenminister Dobrindt meldeten sich die Grünen zu Wort. Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic (Grüne) warnte vor populistischen Debatten. Mit der Vorstellung der Zahlen beginne „jedes Jahr dieselbe verkürzte Debatte auf einer wackeligen Datengrundlage: Migration wird zum Hauptproblem erklärt, statt Ursachen differenziert zu analysieren“, sagte Mihalic der Rheinischen Post.

Die frühere Polizeibeamtin ergänzte: „Wer Sicherheit ernst meint, darf aber nicht nach Bauchgefühl handeln, sondern muss kriminologische Erkenntnisse zur Grundlage machen und gezielt in Prävention investieren.“ Das bedeute Armutsbekämpfung, Schulsozialarbeit „und auch Männerarbeit“, da weiterhin vorwiegend junge Männer straffällig würden. Gleichzeitig müsse der Rechtsstaat bei Straftaten „konsequent handeln“.

Langfristige Entwicklung der Kriminalität: Gewalt und Sexualdelikte nehmen zu

Der Blick auf die längerfristige Entwicklung relativiert laut Welt den aktuellen Rückgang der Kriminalstatistik zusätzlich. Im Vergleich zu 2019, dem letzten Vor-Corona-Jahr, sei die Gewaltkriminalität um 17,3 Prozent auf mehr als 212.000 Fälle gestiegen. Besonders stark falle der Anstieg bei Sexualdelikten aus: Vergewaltigungen und besonders schwere sexuelle Übergriffe seien seitdem um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Zahl tatverdächtiger Jugendlicher liege mehr als 20 Prozent über dem Niveau von 2019.

Hinzu komme ein weiterer beunruhigender Trend: Die Tatverdächtigen werden jünger. Zwar sei die Jugendkriminalität insgesamt rückläufig, doch bei Kindern zeige sich ein gegenläufiger Trend. Die Gewaltkriminalität in dieser Altersgruppe stieg um 3,3 Prozent. Mögliche Ursachen seien psychische Belastungen, etwa durch wachsende Zukunftsängste und Krisen. Gleichzeitig verbringen Kinder immer mehr Zeit im Internet und in sozialen Netzwerken. (Quelle: Die Welt, Pressekonferenz Alexander Dobrindt, Rheinische Post, AFP) (smu)